Die Erziehungsmethode der Bewegung - Eine Bewegung in der Kirche

Die Erziehungsmethode der Bewegung

Die Faktoren der Erziehungsmethode von Don Giussani

„Seit meiner ersten Unterrichtsstunde habe ich immer wiederholt: ‚Ich bin nicht hier, damit ihr die Ansichten, die ich euch erzähle, übernehmt, sondern um euch eine wahre Methode beizubringen, damit ihr das, was ich sage, beurteilen könnt. Was ich euch aber sage, ist eine Erfahrung, Frucht einer langen Vergangenheit, die 2000 Jahre alt ist.‘ Die Berücksichtigung dieser Methode kennzeichnete von Anfang an unsere erzieherische Arbeit und stellte ihr Ziel deutlich heraus: Nämlich die Zuständigkeit des Glaubens für die Bedürfnisse des Lebens aufzuzeigen.“ (Luigi Giussani, Das Wagnis der Erziehung, EOS-Verlag, St. Ottilien 1995, S. 16 f.)

Die Erziehungsmethode Don Giussanis kann man in den folgenden fünf Punkten zusammenfassen:

a) Das Ereignis einer Begegnung

Wer der Bewegung begegnet, stößt auf eine Erfahrung, die auf den Glauben zurückführbar ist, der über die Jahrhunderte in der katholischen Kirche weitergegeben wurde (Tradition). Der Glaube wird „als höchste Vernünftigkeit vorgeschlagen, insofern die Begegnung mit dem Ereignis, das Träger des Glaubens ist, eine nicht vorstellbare Erfahrung und Entsprechung mit dem Menschsein hervorbringt.“ (ebd., S. 23)

b) Redlichkeit gegenüber der Tradition

„Um zu erziehen, muss man die Vergangenheit angemessen vorschlagen. Ohne diesen Vorschlag des Vergangenen, ohne die Kenntnis der Vergangenheit, der Tradition, wächst der Jugendliche entweder verkopft oder skeptisch auf.“ (ebd., S. 13) „Die Tradition stellt sich für den Jugendlichen als eine Art erklärende Hypothese der Wirklichkeit dar.“ (ebd., S. 34)

c) Die Autorität: Existentialität eines Vorschlags

„Die Vergangenheit kann dem Jugendlichen nur vorgeschlagen werden, wenn sie in einer erlebten Gegenwart angeboten wird, die deren Entsprechung mit den letzten Bedürfnissen des Herzens hervorhebt.“ (ebd., S. 14) Diese Aufgabe übernimmt die Autorität, d. h. ein Mensch, der die Tradition bewusst lebt, sie vorschlägt und glaubhaft begründet.

d) Erziehung zur Kritik und persönlichen Verifizierung

Die vorgeschlagene Tradition muss dann persönlich verifiziert, d. h. mit den eigenen tiefsten Bedürfnissen und Erkenntnissen verglichen werden. Nur so wird man im Zusammentreffen mit dem Umfeld und der ganzen Wirklichkeit nicht entfremdet oder von der vorherrschenden Kultur unterjocht.

e) Das Wagnis: Notwendig für die Freiheit

Die Auseinandersetzung mit der Welt setzt den Jugendlichen dem Wagnis aus, andere Entscheidungen zu treffen oder andere Haltungen einzunehmen als jene, die der Erzieher aufzeigt. Dieses Wagnis ist unvermeidbar und notwendig, damit die Persönlichkeit wirklich reifen und sich die Freiheit in ihrer vollen Wirkkraft entfalten kann.

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