Grußwort von Don Julián Carrón an Papst Franziskus - Julián Carrón

Grußwort von Don Julián Carrón an Papst Franziskus

Julián Carrón

07.03.2015 - Petersplatz, Rom

Eure Heiligkeit,

wir sind sehr glücklich, Ihnen begegnen zu dürfen in einem so bedeutsamen Jahr unserer Geschichte. Ich danke Ihnen von Herzen im Namen aller meiner Freunde, die aus der ganzen Welt hierher gekommen sind zu diesem väterlichen Gestus für das Volk, das aus dem Zeugnis von Don Giussani entstanden ist. Am 22. Februar haben wir seinen zehnten Todestag gefeiert. Es ist für uns wirklich bewegend, wieder auf diesem Platz zu stehen, wo er vor dem Heiligen Johannes Paul II. seinem Staunen über das Volk Ausdruck gegeben hat, das Gott aus seiner Leidenschaft für Christus entstehen ließ, als „Instrument für die Mission des einen Volkes Gottes“.

Mehr denn je steht uns seine Person vor Augen und sein Leben, durch das er uns zu Christus geführt hat im Gehorsam und in der Nachfolge der Kirche. Je mehr die Zeit vergeht, desto mehr werden wir, die wir ihm folgen, uns der Bedeutung seiner Person für jeden einzelnen von uns und für alle bewusst. Deshalb wünschten wir uns, Sie zu treffen, Heiligkeit, weil wir die „Frische des Charismas“, das uns fasziniert hat, nicht verdorren lassen wollen.

Im Bewusstsein unserer Zerbrechlichkeit und unseres Verrats sind wir als Pilger zum Grab des Petrus gekommen, um um die Frische des Charismas zu bitten, wie Sie selber uns in ihrer Ansprache beim Kongress der Bewegungen empfohlen haben. Wir wollen jeden Tag leben, indem wir „immer die ‚erste Liebe‘ erneuern“, jene erste Liebe, die uns ausrufen lässt: „Als ich Christus begegnet bin, habe ich mich als Mensch entdeckt“ (Gaius Marius Victorinus).

Daher haben wir zur Vorbereitung auf diese Begegnung vor allem den Herrn darum gebeten, dass sich in uns jene anfängliche Verfügbarkeit des Herzens immer wieder erneuere, jene Einfachheit, ohne die wir uns auf vergangene Formen fixieren und das Wesentliche vergessen würden, wodurch jener Lebensschwung verlorenginge, der uns fasziniert hat.

Wir wissen sehr gut, dass wir nicht aus eigener Kraft die Frische des Charismas hervorbringen oder erhalten können. Die Gnade, die wir empfangen haben, muss in unserem Leben immer wieder neu aufblühen, und dies kann nur geschehen, wenn wir die Verbindung mit Petrus aufrechterhalten, die Don Giussani uns ins Blut gelegt hat. Deshalb kommen wir als Bettler, mit dem Wunsch von Ihnen zu lernen, damit wir in immer größerer Treue und Leidenschaft das Charisma leben können, das wir empfangen haben.

Nur wenn wir so in Christus verwurzelt sind, können wir Ihn durch unser Leben gegenwärtig werden lassen in den existenziellen Peripherien, in jedem Lebensumfeld, in jedem Umstand, in dem sich täglich das Drama unserer menschlichen Brüder und Schwestern abspielt. Das gilt besonders für die am meisten vom Leben Geprüften und jene, die, vielleicht unbewusst, danach dürsten, dem barmherzigen Blick Christi zu begegnen. Wir bedürfen wie sie dieses barmherzigen Blicks, dessen Zeichen und Instrument Sie nun sind, Heiliger Vater.

Wir sind alle hier in der Hoffnung, dass sich jenes einzigartige Ereignis in der Geschichte erneuert, das uns durch die Jahrhunderte hindurch heute hier auf diesem Platz erreicht und uns die Schönheit und Freude des Christseins erfahren lässt.

Danke, Heiligkeit!

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