Ausstellung über Franz und Franziska Jägerstätter, Treffen mit Erna Putz, München, 21.11.2025

Zwei neue Freunde

Die Ausstellung „Franz und Franziska: Es gibt keine größere Liebe“ zieht ganz unerwartete Kreise. Erlebnisbericht über eine Initiative des Kulturzentrums You e.V.
Lucia Brunetti

Mit einigen Freunden hatten wir am 15. und 16. März 2025 die Ausstellung „Franz und Franziska: Es gibt keine größere Liebe“ beim Rhein-Meeting in Köln besucht. Wir waren sehr beeindruckt von ihr und beschlossen, die Ausstellung mit den Freunden vom Kulturzentrum You e.V. auch in München zu zeigen. So fing ein großes Abenteuer voller Entdeckungen und Begegnungen an.

Das erste Besondere war, dass wir, je mehr wir in die Geschichte von Franz und Franziska eintauchten, umso mehr den Wunsch verspürten, mehr über sie zu erfahren und mit ihnen und ihrer Geschichte ins Gespräch zu kommen. Daraus entstand eine Reihe von Ideen für Veranstaltungen neben der eigentlichen Ausstellung. Als wir den Einladungsflyer ausdruckten, waren wir selbst überrascht, was alles aus diesem Wunsch nach Dialog entstanden war!

Am 21. November 2025 eröffneten wir die Ausstellung in München mit einem Treffen mit Erna Putz. Sie hat eine Biographie über Franz Jägerstätter verfasst und war eng mit Franziska befreundet. Putz sprach über die Freude, die Franziska und ihr Leben ausmachte, und erklärte: „Ihre Geschichte lehrt uns, dass sich für Christus hinzugeben die Verwirklichung unseres Lebens bedeutet und Freude schenkt.“ Das Treffen wurde bereichert durch die Lesung von sechs Briefen, die Franz und Franziska sich zu Lebzeiten geschrieben hatten. Etwa die Betonung der individuellen Verantwortung für eine Entscheidung, die tief im Gewissen verwurzelt ist, macht die Briefe zu einem Vermächtnis auch für unsere Zeit. Franz nahm in seinem Gewissen die Stimme Gottes wahr, die ihn aufrief, nicht als lauwarmer Christ zu leben, sondern jeden Lebensumstand vollkommen zu leben.



Um die letzten Tage der Ausstellung noch lebendiger zu gestalten, veranstalteten wir am 28. November ein Gespräch mit dem Kurator der Ausstellung, Emmanuele Silanos, und mit Joe Gleason. Er war für den Schnitt des Filmes „Ein verborgenes Leben“ (2020) verantwortlich, in dem Regisseur Terrence Malick die Lebensgeschichte von Franz und Franziska Jägerstätter nachzeichnet. Das Treffen führte uns zu den Ursprüngen der Ausstellung: Emmanuele Silanos, ein großer Kinofan, war von diesem Film so beeindruckt, dass er sich immer mehr mit der Geschichte von Franz und Franziska befasste und schließlich mit einigen Freunden beschloss, die Ausstellung zu konzipieren. Somit lässt sich der Ursprung der Ausstellung eigentlich auf den Film zurückverfolgen. Emmanuele meinte, das Besondere an dem Film sei, dass er die Geschichte von Franz und Franziska nicht wie eine Doku erzähle, sondern ihre tiefere Bedeutung herausarbeite, indem er den Märtyrer als einen Alter Christus zeigt und verdeutlicht, dass jeder Christ dazu berufen ist, ein solcher „anderer Christus“ zu werden. Der Dialog zwischen Silanos und Gleason wurde durch vier Ausschnitte aus dem Film bereichert, die die Geschichte von Franz und Franziska lebendig werden ließen.

Am 16. Dezember haben wir den Film im Arena Filmtheater in München vor einem vollen Kinosaal zeigen lassen. Nach dem Film war es während des Abspanns zunächst ganz still, dann ertönte ein lauter Applaus. Das zeigt: Ein Kino kann ein „Ort der Begegnung“ sein, „ein Zuhause für diejenigen, die nach Sinn suchen, eine Sprache des Friedens“, ein Ort, der in der Lage ist, uns „zum Staunen zu bringen, indem es uns einen – wenn auch nur kleinen – Splitter des Geheimnisses Gottes zeigt“, wie Papst Leo XIV. bei seiner Begegnung mit Vertretern der Filmbranche am 15. November 2025 sagte.

Die Ausstellung „Franz und Franziska: Es gibt keine größere Liebe“ wurde vom 21. bis 30. November 2025 in München im Schlosspalais No.1 in Nymphenburg gezeigt, und zwar mit unerwarteter Unterstützung einer Stiftung, die uns bereits im Vorjahr durch die Ausstellung über Takashi Nagai kennengelernt hatte. Beeindruckt vom Inhalt und von der Schönheit der Ausstellung, boten die Stiftungsmitglieder an, uns bei den Kosten für die Miete des Veranstaltungsortes zu unterstützen. Unglaublich! Die Überraschung war noch größer, als wir herausfanden, dass der Besitzer des Veranstaltungsortes bereits 2020 von Malicks Film „Ein verborgenes Leben“ so beeindruckt gewesen war, dass er eine Rezension verfasst hatte, in der er beschrieb, was das Leben der Jägerstätters so außergewöhnlich macht. Wir haben diesen Artikel ausgedruckt und den Besuchern ausgehändigt. Diese Übereinstimmung mit Menschen, die wir kaum kannten, war eine große Überraschung, vor allem, weil wir feststellten, dass wir die Dinge gleich bewerten. Eine solche Einheit war auch bei den Besuchern der Ausstellung zu spüren, aufgrund einer Wahrheit, auf die das Herz jedes Menschen wartet. Es gäbe tausend Geschichten zu erzählen!



All dies wurde konkret möglich durch die vielen Freunde, die sich engagiert haben und bei der Durchführung der verschiedenen Veranstaltungen halfen. Das ging weit über den kleinen Kreis des Kulturzentrums You hinaus. Es wurde uns zum greifbaren Zeichen dafür, dass „es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind zu erziehen“, wie wir von unserer Freundin Rose Busingye bei einem früheren Treffen des Kulturzentrums gelernt hatten. Außerdem ist es immer eine große Befreiung, zu erkennen, dass wir, so begrenzt wir auch sein mögen, bereits Teil von etwas sind, das größer ist als wir selbst.

Die letzte Veranstaltung im Zusammenhang mit der Ausstellung in München war ein Ausflug nach Sankt Radegund am 10. Januar dieses Jahres. Wir haben für ewig zwei neue Freunde gewonnen, Franz und Franziska Jägerstätter. Und wie es sich bei guten Freunden gehört, besuchten wir sie in ihrem Zuhause! Mehr als ein Abschluss war das ein Neuanfang, der uns neugierig macht, was die Freundschaft mit Franz und Franziska noch Neues in unseren Alltag bringen wird.