Die Päpste und CL

Die Geschichte der Bewegung ist untrennbar verbunden mit der Beziehung zu den Päpsten, die sie begleitet ha-ben und begleiten – von Paul VI. bis heute. Don Giussani hat Treue und Gehorsam gegenüber dem Heiligen Vater und den kirchlichen Autoritäten stets als den „grundlegendsten Wegweiser für den Weg der Menschen“ bezeichnet. Ohne ihnen zu folgen, so sagte er, „kann man das Volk Gottes nicht aufbauen“. Dieses Thema taucht in der Bewegung sehr oft auf, früher bei Don Giussani und jetzt bei Don Carrón. In ihren Ansprachen, Büchern, Briefen und Kommentaren rufen sie immer wieder dazu auf, auf den Papst zu hören, auf das, was er der ganzen Kirche sagt und der Bewegung im Besonderen.

Paul VI
„Nur Mut. Das ist der richtige Weg, machen Sie weiter so!“ (vgl. Alberto Savorana, Vita di don Giussani, S. 514) Giussani erinnerte sich immer voller Rührung und Dankbarkeit an diese Worte der Ermunterung von Paul VI. Der Heilige Vater hatte sie am Palmsonntag des Jahres 1975 in einem privaten Gespräch, nach einem Treffen mit der Jugend auf dem Petersplatz, ausgesprochen. Die Beziehung mit Montini geht auf die Zeit zurück, als dieser Erzbischof von Mailand war und Giussani in den dortigen Schulen tätig war (vgl. Marta Busani, Gioventù Studentesca, 2016).

„Nur Mut. Das ist der richtige Weg, machen Sie weiter so!“

Johannes Paul II
Don Giussani wurde zum ersten Mal am 18. Januar 1979 in Privataudienz von Johannes Paul II. empfangen, drei Monate nach dessen Wahl zum Papst. Nach dieser Begegnung schrieb er in einem Brief an die Bewegung: „Meine Freunde, dienen wir diesem Menschen, dienen wir Christus in diesem großartigen Menschen, mit unserem ganzen Leben.“
1982 besuchte Johannes Paul II. das Meeting di Rimini Er vertraute allen Anhänger von CL eine wesentliche Aufgabe an: „Der Blick muss sich notwendig zum ‚Urheber unseres Heils erheben‘, damit eine aus der Wahrheit und Liebe geborene Zivilisation entsteht. Eine Zivilisation im Zeichen der Liebe! Sonst geraten wir in Todesangst, gehen in zügellosem Egoismus unter oder werden blind für den Schmerz der anderen. Brüder und Schwestern, baut unermüdlich diese Zivilisation auf! Diesen Auftrag gebe ich euch heute: Arbeitet dafür, betet dafür, leidet dafür!“



In den fast 27 Jahren des Pontifikats von Johannes Paul II. begegnete Don Giussani ihm viele Male, sowohl persönlich als auch im größeren Rahmen. Die Audienz im Jahr 1984 zählt zu den wichtigsten Begegnungen, als der Papst der Bewegung einen missionarischen Auftrag erteilte: „Geht zu allen Völkern, um ihnen die Wahrheit, die Schönheit und den Frieden zu bringen, dem man in Christus, dem Erlöser, begegnet!“ Diese Worte ermunterten viele Mitglieder von CL, zum Studium oder beruflich ins Ausland zu gehen, um jener mit Vollmacht und Wohlwollen zugleich ausgesprochenen Einladung nachzukommen.

„Geht zu allen Völkern, um ihnen die Wahrheit, die Schönheit und den Frieden zu bringen, dem man in Christus, dem Erlöser, begegnet!“


Ein weiteres einschneidendes Ereignis war der 30. Mai 1998, als Don Giussani zusammen mit den Gründern anderer Bewegungen bei der Pfingstvigil über seine Erfahrung sprach. Das Bild, das bleibt, ist die Umarmung am Ende der Ansprache zwischen diesen beiden bedeutenden Menschen – Johannes Paul II. und Don Giussani, der schon von seiner Krankheit gezeichnet war.



Schließlich fand zwischen 2002 und 2004 ein erstaunlicher Briefwechsel zwischen beiden statt.
Zum 20. Jahrestag der päpstlichen Anerkennung der Fraternität schrieb Johannes Paul II. an Don Giussani: „Die Bewegung wollte und will daher nicht einen Weg, sondern den Weg weisen, der zur Lösung dieses existentiellen Dramas [des Menschen] führt.“ Zwei Jahre später, anlässlich des 50. Jubiläums von CL, schrieb Don Giussani dem Papst: „Ich wollte niemals irgend etwas ‚gründen‘. Ja, ich meine, dass der Genius der Bewegung, die ich entstehen sah, […] aus der Notwendigkeit einer Rückkehr zu den grundlegenden Aspekten des Christentums entstand, das heißt aus der Leidenschaft für das christliche Ereignis als solches, in seinen wesentlichen Aspekten – und nichts weiter.“ In der Antwort auf diesen Brief sagt Johannes Paul II.: „Die ursprüngliche pädagogische Intuition eurer Bewegung besteht gerade darin, das christliche Ereignis auf faszinierende und der zeitgenössischen Kultur entsprechende Weise vorzuschlagen, es als Quelle neuer Werte zu verstehen, die in der Lage sind, der ganzen Existenz Orientierung zu verleihen.
[…] Eine derartige Glaubenserfahrung bringt einen neuen Blick auf die Wirklichkeit hervor, eine Verantwortung und Kreativität, die alle Bereiche der Existenz erfasst: von der Arbeitswelt bis zu den familiären Beziehungen, vom sozialen Einsatz bis zur Inspiration von Kultur und Politik.“

„Eine derartige Glaubenserfahrung bringt einen neuen Blick auf die Wirklichkeit hervor, eine Verantwortung und Kreativität, die alle Bereiche der Existenz erfasst“

Benedikt XVI
Die echte Freundschaft zwischen Don Giussani und Kardinal Ratzinger, die die beiden mindestens zwei Jahrzehnte lang gepflegt haben, legte die Grundlagen für die Beziehung zwischen der Bewegung und Papst Benedikt XVI.



Bei seiner Audienz für die Bewegung im März 2007 sagte Papst Benedikt XVI: „Mein erster Gedanke geht zu eurem Gründer, Monsignore Luigi Giussani, an den mich so viele Erinnerungen binden und der mir zu einem echten Freund geworden war.“ Einige Monate später, am 20. Januar 2008, nahmen viele Mitglieder von CL als Zeichen der Verbundenheit mit dem Papst am Angelus teil. Kurz zuvor hatte dieser aufgrund der harschen Polemik seine Ansprache bei der Eröffnung des akademischen Jahres an der Universität La Sapienza in Rom abgesagt. Ein weiterer besonderer Anlass war der 16. Mai 2010, als 35.000 Anhänger der Bewegung sich zum Petersplatz begaben, um in einer Zeit heftiger Angriffe gegen die Kirche mit dem Papst das Regina Coeli zu beten.
Auf jede Begegnung und jede Privataudienz mit Papst Benedikt folgten Briefe von Don Carrón an die Fraternität. Ein Zeichen der besonderen Nähe des Papstes zur Bewegung war seine Entscheidung, vier Mitglieder der Memores Domini seinen Haushalt führen zu lassen. Seit seiner Wahl gehören sie zur „Päpstlichen Familie“. Eine von ihnen, Manuela Camagni, kam am 24. November 2010 bei einem Verkehrsunfall ums Leben. In seiner persönlichen Botschaft zu ihrer Beisetzung sagte der Papst: „Wenn wir des Herrn gedenken, dann weil er sich noch davor an uns erinnert. Wir sind memores Domini, weil Er Memor nostri ist. Er denkt an uns mit der Liebe der Eltern, des Bruders, des Freundes, auch im Augenblick des Todes. Und selbst wenn es so scheinen mag, dass er in diesem Augenblick abwesend ist, dass er uns vergisst, so sind wir ihm doch stets gegenwärtig, wir sind in seinem Herzen. Gleich wohin wir fallen, wir fallen immer in seine Hand. Gerade dort, wo niemand uns begleiten kann, erwartet uns Gott: unser Leben.“

„Wir sind memores Domini, weil Er Memor nostri ist. Er denkt an uns mit der Liebe der Eltern, des Bruders, des Freundes, auch im Augenblick des Todes“

Franziskus
„Ich bin Don Giussani aus verschiedenen Gründen dankbar. Der erste, eher persönliche Grund ist das Gute, das dieser Mann an mir und meinem priesterlichen Leben gewirkt hat, durch die Lektüre seiner Bücher und seiner Artikel. Der andere Grund ist, dass sein Denken zutiefst menschlich ist und das innerste Verlangen des Menschen erreicht. Ihr wisst, wie wichtig für Don Giussani die Erfahrung der Begegnung war: die Begegnung nicht mit einer Idee, sondern mit einer Person, mit Jesus Christus. So hat er zur Freiheit erzogen, indem er zur Begegnung mit Christus geführt hat, denn Christus schenkt uns die wahre Freiheit.“ Mit diesen Worten begann Papst Franziskus seine Ansprache an die 80.000 Anhänger der Bewegung aus 47 Ländern, die am 7. März 2015 auf dem Petersplatz versammelt waren. Es war die erste Audienz, die der Papst der Bewegung gewährt hatte – anlässlich des 60-jährigen Bestehens von CL und des zehnten Todestages von Don Giussani.

„Der Religiöse Sinn ist kein Buch ausschließlich für Mitglieder der Bewegung, und es ist auch kein Buch nur für Christen oder Gläubige. Es ist ein Buch für alle Menschen, die ihr Menschsein ernst nehmen.“


Don Giussani und Jorge Maria Bergoglio lernten sich nie persönlich kennen. Aber der künftige Papst kannte Giussanis Charisma und seine Lehre gut. Als er Erzbischof von Buenos Aires war, stellte er einige von Don Giussanis Büchern vor, darunter Il senso religioso (Der religiöse Sinn) und L’attrattiva Gesù. Am 11. Oktober 2013 und am 14. April 2016 wurde Don Carrón von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen. Nach der letzten Begegnung schrieb er an die Fraternität: „Ich glaube, dass uns nichts mehr helfen kann, als uns in das Zeugnis, das uns Papst Franziskus täglich gibt, hineinzuversetzen.“

Am 30. November 2016 erhielt Don Julián Carrón einen Brief von Papst Franziskus. Der Heilige Vater wollte dadurch der Bewegung für die Opfergaben danken, die während der Pilgerfahrten anlässlich des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit gesammelt wurden „Die Armut ist notwendig, denn sie kennzeichnet das, was unser Herz wirklich ausmacht: dass wir Gott brauchen.“, so Papst Franziskus. „Daher gehen wir zu den Armen, nicht weil wir schon wissen, dass der Arme Jesus ist, sondern um wieder neu zu entdecken, dass dieser Arme Jesus ist. (...) Ich höre nicht auf, um die Gnade einer armen Kirche für die Armen zu beten. Das ist kein liberales Programm, sondern ein radikales Programm, denn es bedeutet eine Rückkehr zu den Wurzeln. (...) Es ist eine Revolution der Zärtlichkeit Gottes“.

Am 2. Februar 2018 wurde Don Julián Carrón erneut von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen, wobei das Thema Jugend im Mittelpunkt des Gesprächs stand: „Er hat uns ermutigt, mit unserem Einsatz fortzufahren, da er ihn für sehr wichtig hält, speziell in dieser Zeit, wo die Jugendlichen in einer ‚sich auflösenden Gesellschaft‘ leben, damit sie Bezugspunkte finden, die sie auf ihrem Lebensweg begleiten“