Zur Geschichte

1954

Don Luigi Giussani bittet seine Vorgesetzten darum, an die Schule gehen zu dürfen, nachdem er feststellt hatte, dass die Jugendlichen das Christentum nicht mehr kennen. Er beginnt mit dem Religionsunterricht am humanistischen Berchet-Gymnasium in Mailand. Bald sammelt sich um ihn eine kleine Gruppe von Schülern, die allmählich wächst und sich auch auf andere Schulen ausbreitet. Die Bewegung entsteht zunächst als Gioventù Studentesca (GS) im Rahmen der Katholischen Aktion der Erzdiözese Mailand. Der damalige Erzbischof Giovanni Battista Montini ermutigt die neue Initiative, die sich bald auf andere italienische Städte ausdehnt.

1957

Kardinal Montini schreibt einen Fastenhirtenbrief an seine Erzdiözese mit dem Titel „Über den religiösen Sinn“. Darin analysiert er die Lage des Glaubens im Italien der fünfziger Jahre. Giussani greift dies auf und veröffentlicht im Dezember desselben Jahres einen Text mit dem Titel Il senso religioso (Der religiöse Sinn). Dieses Thema wird zu einem lebenslangen Leitgedanken in Giussanis Werk und Pädagogik.

1959


Don Giussani veröffentlicht seine erste Schrift über das Leitbild und die Methode von GS: Gioventù Studentesca: Riflessioni sopra un’esperienza (Gedanken zu einer Erfahrung).

1960

erscheint ein zweiter grundlegender Text: Tracce d’esperienza cristiana (Spuren christlicher Erfahrung).

1962

beginnt eine missionarische Initiative, die vollständig und eigenverantwortlich von Schülern – den ersten „Giessini“ – getragen wird, in Belo Horizonte, Brasilien. Im gleichen Jahr entsteht das „Gruppo Adulto“ (später umbenannt in Memores Domini). Es umfasst Mitglieder der Bewegung, die einer Berufung der Ganzhingabe an Gott folgen und gleichzeitig mitten in der Welt leben wollen.

1964

erscheint Appunti di metodo cristiano.

1965

Don Giussani lehrt „Einführung in die Theologie“ an der Katholischen Universität Mailand. Zu Forschungszwecken reist er für einige Monate in die Vereinigten Staaten. Nach seiner Rückkehr legt er die Leitung von GS nieder.

1968

Die Krise von GS, die Mitte der sechziger Jahre begonnen hatte, erreicht ihren Höhepunkt. Tausende von jungen Leuten verlassen die Bewegung, um sich marxistischen Studentengruppen anzuschließen.

1969

Die Bewegung geht aus der Krise von 1968 gereift und mit dem neuen Namen Comunione e Liberazione (Gemeinschaft und Befreiung, CL) hervor. Neben vielen Gymnasiasten schließen sich ihr immer mehr Studenten und Berufstätige an.

1973

findet die erste von CL organisierte Tagung statt. Sie steht unter dem Titel „Zur Befreiung an den italienischen Universitäten“.

1974

Die erste Ausgabe der offiziellen Zeitschrift der Bewegung erscheint unter dem Titel CL. 1977 wird der Name der Zeitschrift in Litterae Communionis geändert, seit 1993 heißt sie Tracce - Litterae communionis. In den folgenden Jahren erscheinen zudem Ausgaben in verschiedenen Sprachen, unter anderem Englisch, Spanisch, Deutsch (Spuren) und Polnisch.

1975

Papst Paul VI. überlässt CL während der traditionellen Jugendwallfahrt am Palmsonntag die Aula Nervi für eine Versammlung. In einer privaten Unterredung ermutigt er Don Giussani mit den Worten: „Das ist der richtige Weg, machen Sie weiter so.“

1976

Auf einer wegweisenden Versammlung von Verantwortlichen der Studentenschaft der Bewegung in Riccione bei Rimini betont Don Giussani: „Das Schicksal unserer Gemeinschaft hängt davon ab, in welchem Maß wir der Präsenz den Vorzug geben gegenüber der Versuchung zur Utopie. Präsenz ist die Verwirklichung der Gemeinschaft.“
Da einige ehemalige Studenten den Wunsch haben, ihre Zugehörigkeit zur Kirche auch als Berufstätige weiter zu vertiefen, entstehen in diesen Jahren die ersten Gruppen, aus denen später die Fraternität von Comunione e Liberazione hervorgeht.

1977

In Italien ist das politische und gesellschaftliche Klima äußerst angespannt: CL ist Zielscheibe von linken und rechten Extremisten. Man zählt 120 Anschläge auf Mitglieder und Einrichtungen der Bewegung im ganzen Land. Im gleichen Jahr erscheint die erste Auflage von Il rischio educativo (Das Wagnis der Erziehung), einer Zusammenschau von Giussanis Gedanken über die Erziehung.

1978

Es entstehen immer mehr Gruppen der späteren „Fraternität von Comunione e Liberazione“.

1979

18. Januar: Papst Johannes Paul II., der am 16. Oktober 1978 gewählt worden war, empfängt Don Giussani in Privataudienz. Kurz darauf schreibt Don Giussani einen Brief an die Gemeinschaften von Comunione e Liberazione mit der Überschrift: „Dienen wir Christus in diesem großartigen Menschen“. Weiter heißt es: „Gleich nachdem die Audienz beendet war, fühlte ich in meiner Freude auch große Verantwortung: den Willen, diesem Mann mit meiner ganzen Kraft und meinem ganzen Leben zu dienen. Ich würde mir wünschen, dass diese Verantwortung uns alle erfüllt. Meine Freunde, dienen wir diesem Menschen, dienen wir Christus in diesem großartigen Menschen, mit unserem ganzen Leben.“ Am 31. März empfängt der Papst die Studenten der Bewegung (den „CLU“) zu einer Audienz.

1982

Am 11. Februar wird die Fraternität von Comunione e Liberazione durch den Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Laien per Dekret als „juristische Person für die gesamte Kirche“ errichtet und als „Vereinigung päpstlichen Rechts“ anerkannt.

1984

Zum 30-jährigen Bestehen der Bewegung empfängt Johannes Paul II. 10.000 Anhänger der Bewegung in Audienz und gibt ihnen folgenden Auftrag: „Geht zu allen Völkern und bringt ihnen die Wahrheit, die Schönheit und den Frieden, dem man in Christus, dem Erlöser, begegnet! Das ist der Auftrag, den ich euch heute gebe.“ Für die Bewegung wird dies zu einem neuen missionarischen Impuls und führt zur Verbreitung von CL in der ganzen Welt.

1985

entsteht die Priesterbruderschaft der Missionare des Heiligen Karl Borromäus.
In Spanien schließt sich die Vereinigung Nueva Tierra, zu deren Verantwortlichen Don Julián Carrón gehört, Comunione e Liberazione an.

1986

Der Verlag Jaca Book veröffentlicht eine überarbeitete Neuausgabe von Don Giussanis Il senso religioso (Der religiöse Sinn). Das Buch ist der erste Teil des dreibändigen „PerCorso“ („Grundkurs christlicher Erfahrung“). Es zeichnet den Weg nach, dem Don Giussani seit seiner Zeit am Berchet-Gymnasium in Mailand gefolgt ist. Später wurde das Buch erneut überarbeitet und erweitert. Es wird auch für den Kurs zur „Einführung in die Theologie“ an der Katholischen Universität von Mailand benutzt.

1988

8. Dezember: Die Vereinigung Memores Domini wird vom Heiligen Stuhl genehmigt und als universale kirchliche Laienvereinigung anerkannt.

1992

17. Oktober: Anlässlich des 10. Jahrestages ihrer päpstlichen Anerkennung unternimmt die Fraternität von Comunione e Liberazione unter der Leitung von Don Giussani eine Wallfahrt nach Lourdes, ein Akt der Dankbarkeit und der Bitte.

1993

startet die von Giussani betreute Buchreihe I libri dello spirito cristiano (Bücher des christlichen Geistes) beim Verlag Rizzoli.

1997

erscheint die erste CD der von Giussani herausgegebenen Reihe Spirto Gentil mit vorwiegend klassischer Musik. Auf Initiative des Ständigen Beobachters des Heiligen Stuhls wird The Religious Sense bei der UNO in New York vorgestellt. Zwei Jahre später wird dort At the Origin of the Christian Claim (Am Ursprung des christlichen Anspruchs) präsentiert und bei UNESCO in Paris La conscience religieuse de l'homme moderne.

1998

nehmen Vertreter von CL am Weltkongress der Kirchlichen Bewegungen in Rom teil. Zum Abschluss des Kongresses empfängt Papst Johannes Paul II. am 30. Mai die Mitglieder der Bewegungen und neuen geistlichen Gemeinschaften auf dem Petersplatz. Don Giussani hält neben anderen Gründern eine Ansprache, die zu einer seinen bekanntesten werden sollte. Er schließt seinen Beitrag mit folgenden Worten: „Der wahre Protagonist der Geschichte ist der Bettler: Christus, der um das Herz des Menschen bettelt, und das Herz des Menschen, das um Christus bettelt.“

1999

In Rom entsteht das Internationale Zentrum von Comunione e Liberazione zur Vernetzung der unterschiedlichen Gruppierungen von CL in aller Welt und zum Dienst an der Kirche, vor allem im Blick auf das Jubiläumsjahr 2000.

2000

Zahlreiche Gruppen von Comunione e Liberazione nehmen an den verschiedenen Feierlichkeiten mit dem Papst anlässlich des Heiligen Jahres teil: an Treffen für Berufstätige, Jugendliche, Studenten und die Familien. Don Giussani verfasst einen Beitrag zum internationalen theologisch-pastoralen Kongress „Kinder, Frühling der Familien und der Gesellschaft“, der vom Päpstlichen Rat für die Familien organisiert wird (11.-13. Oktober).

2002

11. Februar: 20. Jahrestag der päpstlichen Anerkennung der Fraternität von Comunione e Liberazione. Papst Johannes Paul II. schreibt zu diesem Anlass einen langen handschriftlichen Brief an Don Giussani.

2003

4./5. April: An der Georgetown University in Washington findet eine internationale Tagung zu Giussanis Buch The Risk of Education statt. 50 Universitätsprofessoren nehmen teil, darunter sehr renommierte Philosophen und Theologen.

2004

Comunione e Liberazione feiert sein 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass schreibt Don Giussani dem Papst (26. Januar): „Ich wollte niemals irgendetwas ,gründen‘. Ja, ich meine, dass der Genius der Bewegung, die ich entstehen sah, aus der Notwendigkeit einer Rückkehr zu den grundlegenden Aspekten des Christentums entstand, das heißt aus der Leidenschaft für das christliche Ereignis als solches, in seinen wesentlichen Aspekten – und nichts weiter.“ Johannes Paul II. antwortet mit einem langen Brief, datiert auf den 22. Februar. Der Pontifex schreibt darin unter anderem: „Die ursprüngliche pädagogische Intuition eurer Bewegung besteht gerade darin, das christliche Ereignis auf faszinierende und der zeitgenössischen Kultur entsprechende Weise vorzuschlagen, es als Quelle neuer Werte zu verstehen, die in der Lage sind, der ganzen Existenz Orientierung zu verleihen. Es ist dringend nötig, dem Menschen zur Begegnung mit Christus zu verhelfen, damit Christus auch für den Menschen von heute zum letzten Grund seines Lebens und Handelns wird.“ Zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Bewegung unternehmen am 16. Oktober rund 45.000 Menschen aus ganz Italien eine Wallfahrt zum Haus der Heiligen Familie in Loreto.

2005

22. Februar: Don Giussani stirbt in seiner Wohnung in Mailand. Kardinal Ratzinger hält als persönlicher Abgesandter des schwer erkrankten Papstes beim Requiem die Predigt. Einen Monat später wählt die Zentrale Diakonie der Fraternität von CL Don Julián Carrón zum neuen Präsidenten. Bereits ein Jahr zuvor hat-te Don Giussani die Verantwortung in der Leitung der Bewegung mit ihm geteilt. 2008 und 2014 wurde Don Carrón für jeweils sechs weitere Jahre in seinem Amt bestätigt.

2007

Anlässlich des 25. Jubiläums der Anerkennung der Fraternität empfängt Papst Benedikt XVI. rund 100.000 Anhänger der Bewegung aus aller Welt zu einer Audienz auf dem Petersplatz.

2008

In der Kathedrale von São Paulo (Brasilien) überantworten Cleuza und Marcos Zerbini im Beisein von Kardinal Odilo Scherer Don Julián Carrón die von ihnen gegründete Bewegung „Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra“ („Bewegung der landlosen Arbeiter“), der mehr als 100.000 Menschen angehören. „Als wir Comunione e Liberazione begegnet sind, haben wir alles gefunden, was wir suchten“, begründet Cleuza Zerbini diesen Schritt.

2010

35.000 Anhänger von CL kommen nach Rom, um das Regina Coeli mit dem Heiligen Vater zu beten, der im Wirbel des Missbrauchsskandals immer wieder unter Beschuss gerät.

2012

Am Ende der Messe zum 30. Jahrestag der päpstlichen Anerkennung der Fraternität von CL und zum siebten Todestag von Don Giussani im Dom zu Mailand verkündet Don Julián Carrón, dass er den Antrag auf Eröffnung des Selig und Heiligsprechungsverfahren von Don Giussani eingereicht hat. Der Erzbischof von Mailand, Kardinal Angelo Scola, nimmt das Ersuchen an.

2013

Alberto Savorana veröffentlicht Vita di don Giussani [Das Leben Don Giussanis]- (auf Englisch: The Life of Luigi Giussani), die erste vollständige Biographie von Luigi Giussani, beim italienischen Verlag Rizzoli (Mailand). 2015 erscheint die spanische Übersetzung, kurz darauf die englische. Am 11. Oktober wird Don Julián Carrón von Papst Franziskus in Privataudienz empfangen. Anschließend schreibt er einen Brief an die Fraternität und die ganze Bewegung Comunione e Liberazione: „Der Papst ermutigt uns, innerhalb unserer Gemeinschaft unser Charisma zu leben, denn eine Bewegung wie die unsere habe die Aufgabe, auf die aktuellen Nöte der Kirche und Welt zu antworten. Aus der Nähe und Verbundenheit von Papst Franziskus erwächst mir und uns allen eine neue Verantwortung vor Gott und der Kirche.“

2014

29. März: Die Diakonie wählt Don Carrón nach dem Ende seiner Amtszeit für weitere sechs Jahre zum Präsidenten der Fraternität von CL.

2015

Am 7. März empfängt Papst Franziskus 80.000 Anhänger der Bewegung auf dem Petersplatz. Im Herbst erscheint beim Verlag Rizzoli in Mailand La bellezza disarmata (Die wehrlose Schönheit), das erste Buch von Don Carrón in italienischer Sprache. (Inzwischen ist es ins Spanische, Portugiesische und Englische übersetzt.)

2016

Anlässlich des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit finden zwischen dem 1. und 15. Oktober weltweit über 200 von Comunione e Liberazione organisierte Wallfahrten statt. Don Carrón sagt in dem Wallfahrtsort Caravaggio in Italien vor 21.000 Menschen: „Ich bin unendlich dankbar für Gottes Barmherzigkeit während dieses ganzen Jahres! Jeder mag diesen Moment nutzen, um sich klar zu machen, wie oft er in diesen Monaten von der Barmherzigkeit Christi erfüllt wurde, von Seiner grenzenlosen Zärtlichkeit.“